Sinntal ist die östlichste Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis in Osthessen, liegt am nördlichen Rand des Spessarts und grenzt an die Rhön. Das Oberzentrum Fulda liegt etwa 30 km nördlich von Sinntal.
Sinntal grenzt im Norden an die Gemeinde Kalbach (Landkreis Fulda), im Osten an die Gemeinde Motten, das gemeindefreie Gebiet Mottener Forst-Süd und die Stadt Bad Brückenau, den Markt Zeitlofs und das gemeindefreie Gebiet Roßbacher Forst (alle Landkreis Bad Kissingen), im Süden an den Markt Obersinn (Landkreis Main-Spessart) sowie im Westen an das gemeindefreie Gebiet Gutsbezirk Spessart und die Stadt Schlüchtern.
Sinntal besteht aus folgenden Ortsteilen: Altengronau, Breunings, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Oberzell mit Ziegelhütte, Sannerz, Schwarzenfels, Sterbfritz, Weichersbach, Weiperz und Züntersbach.
Altengronau
Erstmals wird das Dorf Altengronau im Jahre 780 urkundlich erwähnt. Früher wurde es auch Burggronau genannt. Die beiden Familien von Hutten und von Thüngen waren, soweit bekannt ist, die ersten Besitzer der früher bestehenden Burgen und Gebiete. Eine neue Burg (Wasserburg) wurde 1527 durch Eitel Sebastian von Hutten erbaut. Sie soll noch bis zum Jahre 1832 in von zwei Wassergräben umgeben, als ganzes Vorwerk bestanden haben.
Bei der in den Jahren 1548-1552 von Alexander von Hutten fertig gestellten Burg am Ortseingang handelt es sich um die vierte der Huttenburgen in Gronau. Nach dem Übergang der Herrschaft an Hessen-Kassel (1648) wurde sie als Fruchtspeicher zur Sammlung und Aufbewahrung des Zehnten benutzt. Um 1870 diente sie während des Baues der Eisenbahnlinie Elm-Gemünden als Lazarett für die Eisenbahnarbeiter. Die Burg wurde 1875 von der Gemeinde gekauft, die ein Schulhaus daraus. Dies war bis 1968 in Gebrauch.
Durch Tausch der Klöster Echternach und Fulda kam Altengronau 907 in den Besitz des Klosters Fulda, welches Altengronau den Herren von Hutten zu Lehen gab. Ludwig von Hutten war der erste Burgherr, der das Lehen im Jahre 1300 erhielt. Bis zur Auflösung im Jahre 1821 bildeten alle seine Besitzungen ein eigenes Amt und Gericht. Im Jahre 1719 wurde noch das Amt Brandenstein dem Amt Altengronau angeschlossen und von hier aus mitverwaltet.
Landgraf Friedrich II. von Kassel beschloss zur besseren Verwendung des Holzes aus den Ämtern Schwarzenfels, Altengronau und Brandenstein im Jahre 1765 in Altengronau eine Spiegelglashütte zu errichten. Sie war bis zum Jahre 1791 in Betrieb und befand sich im Bereich des jetzigen Ortsteiles "Hütte".
Breunings
Zwischen 800 und 900 entstand Breunings. Im Zuge der so genannten Karolingischen Kolonisation siedelten hier Franken aus der Gegend von Hammelburg an. Erstmals urkundlich wird Breunings als Pruninges im Jahre 907 erwähnt.
Das Kloster Fulda tauscht in einer Urkunde aus dem Jahre 950 Güter und Hörige u.a. in Breunings. An das Kloster Fulda sind somit von Breunings, Sannerz und Weiperz 300 iurnales (600 Morgen) Land gekommen.Aus dem Jahre 1351 stammt eine Urkunde, in der von einem Adeligen "Göpel von Breunings" die Rede ist. Dieser führt einen Mauerhaken in seinem Wappen. Im Jahre 1357 wird ein "Gerlach von Breunings" erwähnt. Von zwei Adeligen "Abel von dem Berge" und "Heinz auf dem Berge" berichten Urkunden des ausgehenden 14. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit hat sich der Name Bruninges in Brunges umgewandelt.
1453 noch zum Gericht Gronau gehörend, ist Breunings bereits 1493 dem Gericht Schwarzenfels zugeteilt und hat seine Gerichtsstätte auf der Breiten-First zwischen Weichersbach und Gundhelm. 1510 ließ der Vater Ulrichs von Hutten die Wüstung Brunges wieder aufbauen und mit Bauern die ihm zinspflichtig waren, besetzen.
Beim karolingischen Landesausbau war eine Siedlung entstanden und dann wieder untergegangen.
Um die Jahre 1725-30 sind viele Einwohner in das neu enstandene Jossa übersiedelten. Eintragungen in den Kirchenbüchern deuten an, dass im Jahre 1747 durchziehende kaiserliche Truppen das kleine Dorf in mancherlei Nöte brachten. Seit 1731 hatten die Grafen von Degenfeld in Breunings erheblichen Besitz. So verfügte der Hof nach Zukäufen über 92 Hektar. Breunings war eine arme Gemeinde, solange der Hof bestand, denn die besten Grundstücke waren Hofgut. Das Hofgut ging nach mehrmaligem Wechsel am 20.01.1894 für 60.000 RM in Gemeindebesitz über. Für die künftige Entwicklung der Gemeinde war dies ein entscheidender Wendepunkt.
Jossa
Die Chronik überliefert, dass der Ort in den Jahren 1725 bis 1730 durch Einwohner von Breunings und Burgjoß aufgebaut wurde. Den Namen "Jossa" führte es bereits 1734. Im Jahre 1698 wird ein "Joßmüller" zweimal genannt. Auch die Kirchenbücher von Neuengronau, zu dessen Pfarrei Jossa gehörte, geben nur ungenaue Kunde für die Anfangszeit des Ortes .
Die Eintragungen für die einzelnen Orte des Kirchenspiels werden erst ab 1760 getrennt geführt. Die Kinder der Joßmühle wurden danach in der Kirche zu Altengronau getauft, besuchten die dortige Volksschule, wurden dort konfimiert und selbst auf dem Altengronauer Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.
1895 wurde Jossa eine Filiale der Kirchengemeinde Marjoß, nachdem es sich vom Kirchenspiel Neuengronau löste.
Mottgers
Als der aus angelsächsischem Geschlecht stammende Graf Hessi seinen gesamten Besitz in Mottgers an das Kloster Fulda schenkt, wird Mottgers erstmals 923 urkundlich erwähnt. 1556 wird ein Jakob Paul von Mottgers gräflich hanauischer Fischer "auf der Schmalen Sinn" von ihrer Mündung bis an die Alte Rainsmühle "unwendig" Oberzell genannt.
Landgraf Friedrich I. gründet 1731 das Blaufarbenwerk. Die Produktion des Werkes bestand in der Herstellung von Blaufarben aus Kobalt, Sand und Pottasche geschmolzenem blauem Glas. Diese Farben wurden zum Anstrich von Häusern, zur Glasur von Keramik und auch zum Tuchbleichen gebraucht. Auf dem gleichen Gelände wird 1766/67 die Spiegelfabrik Mottgers (Schwarzenfelser Manufaktur) errichtet. Hier wurden Spiegel aus dem in Altengronau hergestellten Spiegelglas gefertigt. Gegen 1791 wurde der Betrieb stillgelegt.
1872 wurde der "Friedensstein" an der Straßenkreuzung Mottgers/Weichersbach/ Schwarzenfels zur Erinnerung an den Friedensschluß des deutsch/französischen Krieges 1870/71 errichtet, der noch heute vorhanden ist.
Neuengronau
Erstmals wird Neuengronau 1295 als Nuwengronouwe erwähnt. Im Jahre 1396 wird ein Pfarrer in Neuengronau genannt. Wann Neuengronau zu einer selbstständigen Pfarrei wurde, ist nicht genau belegt. Die Kirchenbücher berichten, dass der Umfang der Pfarrei zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich groß war. Vor dem Jahre 1453 muss er bestimmt sehr groß gewesen sein, da auch Zeitlofs, Roßbach, Weißenbach und die im Sinngrund aufwärts gelegenen Orte zu ihr gehörten.
Die Geschichte überliefert das in den Jahren 1653 - 1665 das gänzlich zerfallene Pfarrhaus, aus dessen Trümmern heraus schon Bäume wachsen, wieder hergestellt wurde. Ebenso stellte man die verwüstete Kirche wieder her. Landgraf Wilhelm VII. von Hessen beruft 1663 Israel Rosa, früher Stiftsadjunkt in Rotenburg an der Fulda, zum Prediger nach Neuengronau. Dort hatte seit 24 Jahren kein Pfarrer mehr gewohnt. Seine Aufgabe war es Kirchenwesen und Disziplin wieder herzustellen.
Oberzell
Oberzell wurde urkundlich 1167 als Besitzung des Klosters Schlüchtern durch den Bischof Herold von Würzburg erwähnt wird. Der Name "Oberzell", zuerst "Cella", lässt darauf schließen, dass die Gründer des Ortes wahrscheinlich Mönche der Klöster Fulda oder Schlüchtern gewesen sind.
Diese Mönchskolonien, deren Vorsteher vom Abt des Mutterklosters ernannt wurden, nannte man "Cellen". Im Gegensatz zu den anderen tiefer gelegenen Niederlassungen, gaben die Gründer ihrer Siedlung im Tal der Schmalen Sinn den Namen "obere Cella".
Die Bewohner des Ortes, der 1549 aus 31 Haushaltungen bestand, musste nach Schwarzenfels Zins und Fron abgeben. Im Dreißigjährigen Krieg schrumpfte die Besiedlung auf 9 Familien. 1731 stieg sie wieder 63 Haushaltungen an.
Sannerz
Eine Niederlassung des "Sanderates" aus der sich das Dorf Sannerz entwickelt hat, wird zuerst in einer undatierten Urkunde aus der Zeit um 950 genannt. Nach ihr tauschte damals das Kloster Fulda Güter und Hörige in Sannerz und Weiperz ein. Einer Urkunde aus dem Jahre 1295 ist zu entnehmen, dass die Herren von Steckelberg Grundbesitz in Sannerz gehabt haben.
Ulrich von Steckelberg, seine Frau und ihr Sohn Hermann belehnen damals einen Schultheiß auf der Burg Schwarzenfels namens Gottfried mit Gütern in Sannerz, die ein gewisser Heinrich Parcus in Sannerz innehatte. Aus dieser Zeit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist bekannt, dass die Herren von Hutten in Sannerz begütert waren. Zu dem Grundbesitz dieser Familien von Hutten gehörte ein Hof, der bei einer im Mai des Jahres 1364 erfolgten sogen. Todteilung des Familienbesitzes Frowin dem Älteren von Hutten zufiel.
In der Folgezeit vermehrte sich der von Hutten’sche Grundbesitz. Besonders war dies der Fall im Jahre 1457, in dem Lorenz von Hutten aus der Altengronauer Linie von der Probstei Neuenberg außer Gütern zu Vollmerz auch solche zu Sannerz und Weiperz für 220 Gulden kaufte. Nachfolger des hochbetagten Lorenz von Hutten wurde sein Sohn Ulrich, der Vater des gleichnamigen Humanisten und Dichters.
1552 erlosch die Steckelberger Linie derer von Hutten und der Grundbesitz fiel durch Erbgang an die Nachkommen Friedrichs von Hutten in Altengronau. Fürstabt Adolf von Dalberg stiftete mit Stiftungsurkunden von 1735 eine besondere Probstei. Das Hochstift Fulda war damit zum unbeschränkten Grundbesitzer in Sannerz, Herolz und Weiperz geworden. Dadurch verschob sich der Mittelpunkt des Fuldaischen Besitzes im oberen Kinzigtal nach Sannerz und Herolz blieb nur Sitz des Pfarrers und eines Justizbeamten.
1776 wird Abt von Piesport Probst in Sannerz. Er, ein bedeutender Philosoph, Theologe und Förderer der Landwirtschaft, baut das neue Probsteigebäude. 1796 überfällt eine Gruppe des französischen Revolutionsheeres auf dem Rückzug Sannerz. 1802 wurde die Probstei säkularisiert auf Anordnung des Erbprinzen von Oranien. 1806 wurden die fuldischen Gebiete für viele Jahre französisch. 1895 erfolgte der Bau der Sannerzer Kirche.
Schwarzenfels
Schwarzenfels wurde erstmals im Jahre 1280 urkundlich erwähnt. Es verdankt seinen Namen dem schwarzen Basalt des Hopfenberges, an dessen Westhang die Burg im Tal der Schmalen Sinn errichtet wurde, die zu dieser Zeit unter der Hoheit der Herren und späteren Grafen von Hanau stand.
König Rudolf I. von Habsburg ernannte Reinhard II. von Hanau (1227-1280) zu seinem Stellvertreter in der Wetterau mit den Aufgaben eines Landvogtes. Dieser begann im Kampf nach Reichsunmittelbarkeit strebender Ritterschaft und verwildertem Stiftsadel seine politische Hausmacht zwischen den geistlichen Territorien Fulda und Würzburg auszudehnen. Um die vom Kerngebiet entfernten Neubesitzungen zu sichern, wurden an verteidigungsfähigen Plätzen strategische Stützpunkte mit Wehr- und Wohncharakter angelegt, die das Haus Hanau als Reichslehen erwarb.
Schwarzenfels war ein solcher Stützpunkt, Mittelpunkt eines Amtes mit Gerichtssitz. Das Gebiet bot mit Wald- und Wildreichtum, mit Ackerbau und Viehzucht, durch Erhebung von Wege- und Brückengeldern sowie die Zehnten gute Einnahmen, deren Eintreibung dem Amt oblag.
Das Schloß, im 16. und 17. Jahrhundert Witwensitz und Residenz derer von Hanau, diente trotz zeitweiliger Verwendung als Zuflucht für die Bevölkerung vorwiegend wirtschaftlichen Zwecken und der Verwaltung. Nach dem Aussterben der Linie Hanau-Münzenberg mit Johann Ernst aus der Schwarzenfelser Nebenlinie 1642 kam das Amt kurzum an die weiterregierende Linie Hanau-Lichtenberg. Die Landgräfin von Hessen-Kassel, Amalie Elisabeth, eine Tochter Philipp Ludwig II. von Hanau, machte Ansprüche am Erb-Nachfolgevertrag 1643 geltend und bekam das Amt Schwarzenfels zunächst pfandweise und erwarb es später für 28.000 Gulden.
Die Anlagen von Burg und Schloss verloren damals an ihrer Bedeutung. 1649 wird das Schloss als Ruine erklärt, 1821 wurde ein Justizsamt in Schwarzenfels errichtet, das im Oktober 1932 mit dem Amtsgerichtsbezirk Schlüchtern vereinigt wurde. Als sich der Kurstaat auflöste und eine preußische Provinz wurde, verlor Schwarzenfals an Bedeutung. Die Rentnerei, die Forstinspektion sowie die Gendamerieisnspektion wurden aufgelöst bzw. mit anderen zusammengelegt.
Sterbfritz
Sterbfritz liegt im Quellgebiet der Kinzig zwischen den Ausläufern des Spessart und der Rhön. Der Name trat 815 zum erstenmal in einer Urkunde als Starcfrideshuson auf und entwickelte sich über Starcfrides (um 900), Stercfriedes (1167, Sterpfrids (1303) und Sterbfritz (1543) zu der heutigen Form. Zum Dorf gehörte auch ein herrschaftlicher Hof, auf dem von 1295 bis 1575 die Herren von Sterbfritz, Angehörige des niederen Adels, ansässig waren.
1353 erhoben die Hanauer Grafen in Sterbfritz ein Wegegeld. Die Zugehörigkeit zum Amt Schwarzenfels in der Grafschaft Hanau wird dann auch 1453 im Weistum von Schwarzenfels bestätigt. 1643 kam der Ort zusammen mit dem ganzen Amt Schwarzenfels durch Verpfändung an die Landgrafschaft, das spätere Kurfürstentum Hessen-Cassel.
1796 durchzogen bei Würzburg geschlagene französische Truppen unter Befehl von General Jourdan die Gegend, richteten im fuldischen Sannerz großes Unheil an, verschonten aber das neutrale Sterbfritz. Beim Rückzug 1813 nach der Völkerschlacht bei Leipzig schleppten fliehende Franzosen das "Lazarett-fieber" (Flecktyphus) ein, dem zahlreiche Einwohner zum Opfer fielen.
1830, während der "Krawalle", waren es besonders die Mitglieder eines Sterbfritzer Konventikels, die für die Aufruhr und Widerstand gegen die Staatsanwaltschaft sorgten. Sie stürmten die Burg Schwarzenfels, trieben die Beamten in die Flucht, vernichteten die Einrichtung und viele Akten und Steuerlisten. Erst 1834 ließ der hessische Amtmann die Aufrührer festnehmen und 1836 setzte ihr Führer, der Küfer Papst, nach gelungener Flucht aus dem Schwarzenfelser Gefängnis im Rad der Weichersbacher Mühle seinem Leben ein Ende.
Eine Kirche gab es bereits 1167, und 1623 sollte der reformierte Sterbfritzer Prediger Wildius –allerdings ohne Erfolg- sogar die lutherischen Ramholzer im Auftrag des Hanauer Grafen zum calvinistischen Glauben zwingen. 1792 wurde ein neues Gotteshaus errichtet.
Die drei bekanntesten Sterbfritzer waren der Marburger Pädagoge Prof. Dr. Christian Koch (1781-1861), der deutsche Gesandte in Peking, Freiherr Gustav Adolf Schenck zu Schweinsberg (1843-1909), der dem deutschen Kaiserreich die Kolonie Kiautschau verschaffte, und May Dessauer, der als Junge emigrieren musste, sich für die Opfer der Nazi-Herrschaft in Frankreich einsetzte und seine Sterbfritzer Erlebnisse in seinem Buch "Aus unbeschwerter Zeit" festhielt.
Weichersbach
Im Jahre 1311 wird Weichersbach als Wichenspach erstmals urkundlich erwähnt. Die Chronik sagt über diesen Ort nicht sehr viel aus. 1666 wird das Schulhaus mit Stroh neu gedeckt.
1697 weihte Prediger Johannes Kuhn die neu erbaute Kirche auf Befehl des "Hochfürstlichen Consitorii zu Kassel" ein.
1832 wird der Wald "Ehehelle" bei Weichersbach abgetrieben und bedürftigen Einwohnern zur Urbarmachung parzellenweise überwiesen. In vier Jahren wurden dort sechs Häuser errichtet.
In Weichersbach haben sich Bäuerinnen und Bauern zusammengefunden, die ihre Höfe und Felder interessierten Schulklassen als Erfahrungs- und Lernort zur Verfügung stellen und sich aktiv an der Bildungsarbeit beteiligen wollen.
Weiperz
Die Ansiedlung, die zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert entstand und zum Saalegau gehörte, lässt schließen, dass die ersten Siedler Franken gewesen sind. Erstmals urkundlich erwähnt wird Weiperz in einer Urkunde über den Tausch von Gütern zwischen dem Kloster Fulda und dem Kloster Echternach bei Trier im Jahre 907.
Die Bewohner von Weiperz betrieben Ackerbau und Viehzucht. Der karge Boden ließ nur mäßige Ernten zu, von denen noch ein Teil an den Lehnsherren abgegeben werden musste. Außerdem waren noch Frohndienste zu leisten. Die beiden Grundherren waren die Probstei Neuenberg und die Herren von Hanau, die in Herolz als Mittelpunkt einen Fronhof besaßen und ein Hofgericht.
Von Würzburg her zog eine Heerstraße, auch Weyn-oder Wagenstraße genannt, die unterhalb der Klingenmühle die Kinzig überquerte und heute noch als Zeitlofser Furt in alten Karten zu erkennen ist. Die Heerstraße verlief vom Sannerzer Grund über die Sannerz-Weiperzer Straße zum Fuß des Bergackers, wo sie über die Essbach, das Ratzerod nach Steinau weiterführte. Die Chronik schreibt auch von Einquartierungen, an denen die Bauern Vorspann zu leisten hatten.
Viele Weiperzer Familien fanden durch die Ausübung des Nagelschmiedhandwerks ihr dürftiges Auskommen. Der letzte Nagelschmied Ignatz Kraft verstarb 1933. Einige Bauern bauten Flachs an und fanden einen Nebenerwerb am häuslichen Webstuhl. Zweite und dritte Söhne erlernten einen Beruf, oder gingen als Helfer auf den Bau nach Frankfurt oder später nach Westfalen, wo sie auch ansässig wurden. Viele zog es in die Ferne und sie wanderten nach Amerika aus.
Züntersbach
Züntersbach (früher Ziuncilesbah, später Zonzeltsbach) wird um 900 als eine Siedlung am Saalegau erwähnt und hatte nach den Aufzeichnungen des Bischofs Herold von Würzburg 1167 eine eigene Kirche. 1306 verkauft Ulrich von Steckelberg die Hälfte des Dorfes an seinen Bruder, dem Probst des Klosters Petersberg, und damit wurde dieser Teil Besitz des Stiftes Fulda.
Eigenartigerweise, gab es keine klare Trennungslinie. Das Dorf war in wirr durcheinander liegende hanauische und fuldische Höfe zerstückelt, von denen allerdings die fuldischen größtenteils nach dem Tal des Schluppbaches zu lagen, während sich die hanauischen in der Mehrzahl am Berg nach Oberzell und Schwarzenfels zu erstreckten.
Diese Hälfte, die 1549 aus 18 Haushaltungen bestand, war eine Siedlung der Hanauer Grafen im Amt Schwarzenfels und wurde 1643 mit diesem an die Landgrafschaft Hessen-Cassel verpfändet. Die kurhessische Herrschaft dauerte bis 1866, wurde jedoch von 1806 bis 1813 durch die französische Administration unterbrochen, wobei das Dorf bis 1810 zur französischen Districtsmairie Schwarzenfels und dann zum Großherzogtum Frankfurt, einem Vasallenstaat Napoleons, gehörte.
Viel bewegter erscheint die politische Vergangenheit des fuldischen Teils. Er war bis 1803 ein Dorf im Amt Brückenau und dem Hochstift Fulda unterstellt. Durch die Sekularisation verloren die Fuldaer Fürstbischöfe ihren weltlichen Besitz, der dem Hause Oranien-Nassau übereignet wurde. Da der Prinz von Oranien zu den Preußen überging, verlor er den neugewonnenen Besitz und die Franzosen gründeten 1806 die Districtmairie Brückenau. Im Großherzogtum Frankfurt gehörten beide Ortsteile für drei Jahre von 1810 bis 1813 zu einer Herrschaft. 1813 geriet der ehemals fuldische Teil sogar unter österreichische Verwaltung, bis 1816 der König von Bayern das Land übernahm. Erst das Jahr 1863 brachte dem gespaltenen Dorf die Einheit.
Die unterschiedliche politische Zugehörigkeit führte auch zu einer Spaltung der Bevölkerung in zwei Konfessionen. Der evangelische Gottesdienst wurde in der Bergkirche abgehalten. 1880 wurde von den Katholiken die St. Bonifatius-Kirche erbaut. Zuvor waren auch zwei einklassige Schulen entstanden, die von den Kindern nach Konfessionen getrennt besucht wurden.
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Schiefer werden schon seit über 2000 Jahren für Dachdeckungen verarbeitet, bereits die Römer verwendeten ihn in erheblichem Umfang. Dank ihrer für die damalige Zeit hervorragenden Logistik waren sie durchaus fähig, geeignete Baustoffe, z.B. per Schiff, über erhebliche Distanzen zu transportieren. So wundert es nicht, dass in Xanten am Niederrhein, fern von jedem Schiefervorkommen, die Befestigungsanlagen mit Schieferplatten gedeckt wurden. Es handelt sich dabei um Moselschiefer, wie gesteinskundliche Analysen belegen.
Die u.a. in Xanten überlieferten Dächer ähneln in ihrer Konstruktion noch den flachen Ziegeldächern der Römer. Die Schieferplatten sind mit 1 - 2 cm Spaltstärke relativ dick und schwer, so dass sie wie Ziegel verlegt werden konnten. Man bevorzugte geometrische, schablonierte Formen wie z.B. Rechtecke und Spitzwinkel. Daneben gab es offensichtlich auch schon andere Formen, wie ein Relief des römischen Grabmals in Igel bei Trier zeigt: Hier wird die Sandsteinsäule mit einem Relief bekrönt, das ein steiles Schieferdach mit Schuppendeckung nachempfindet.
Zwischen der Römerzeit und dem Mittelalter fehlen Zeugnisse für die Schieferdeckung. Erst um 1100 erscheinen wieder Hinweise auf 'Leyendecker-Zünfte' (die alte Bezeichnung für Schieferdecker) im Trierer Raum. Statt einfachen geometrischen Formen, wie z.B. Spitzwinkeln, die noch in der Römerzeit vorherrschend waren, überwiegen jetzt so genannte 'Altdeutsche' Schieferformate (Schuppenform). So auch bei der von 1228 erwähnten Schieferdeckung der Kaiserpfalz bei Goslar. Die Verwendung von Schiefer schien nach und nach in einzelnen Regionen des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation die Strohdächer zu verdrängen. So sind in den Aufzeichnungen der Trierer Zunft von 1363 vierundzwanzig Schieferdecker verzeichnet und nur ein Strohdecker.
Das Design folgt der Funktion, dieses Prinzip gilt auch für Schieferdächer. Schiefer wird in gebirgigen Regionen, wie z.B. der Eifel, abgebaut. Um den zuweilen extremen Wetterbedingungen in diesen Regionen gerecht zu werden, entwickelten die Dachdecker in den zurückliegenden zweitausend Jahren spezielle Schiefer-Verlegetechniken. Traditionell sind Schieferdächer daher von der Funktion des maximalen Wetterschutzes geprägt. Qualität und Sicherheit stehen im Vordergrund.
Weil unseren Vorfahren keine Dichtungsmittel und Bleche zur Verfügung standen, waren sie gezwungen, alle Anschlüsse, Ecken und Kehlen komplett mit Schiefer einzudecken. Aus dieser Notwendigkeit entwickelten sich im Laufe der Zeit viele handwerklich anspruchsvolle und ästhetisch einzigartige Dachdetails. Sie gehören heute ebenso zur Schieferarchitektur wie der vollflächige Schiefermantel für das Dach und die Fassade.
Die Altdeutsche Deckung
Zu den herausragenden Besonderheiten des bundesdeutschen Schiefermarktes gehört die Altdeutsche Deckung. Diese 'Königin der Deckarten' zählt zu den handwerklich schwierigsten Dachdeckungen überhaupt. Sie zeichnet sich durch aufwändig eingebundene Anfang- und Endorte, Trauf- und Firstgebinde sowie durch viele handwerklich anspruchsvolle Kehlausbildungen aus. Zur optisch herausragenden Eigenschaft der Altdeutschen Deckung zählen u.a. die sich verjüngenden Gebinde. Das heißt, dass die Decksteine von der Traufe zum First hin immer kleiner werden, was die perspektivische Verkürzung in ihrer Wirkung unterstreicht. Zur Lebendigkeit der Altdeutschen Deckung tragen außerdem die unterschiedlich breiten Steine bei. Die unterschiedlichen Decksteine werden mittels 'Übersetzungen' von zwei kleinen auf einen großen Stein oder umgekehrt in die Dachfläche eingebunden.
Die Schuppendeckung
Die Schuppendeckung ähnelt der Altdeutschen Deckung. Der einzelne Stein hat jedoch die gleiche, auf einem Rhombus basierende Geometrie, alle Steine dieser Deckung sind gleich hoch und breit (Schablonen-Fertigung). Es gibt hier auch keine Übersetzungen von breiten auf schmale Steine. Das Dach wirkt insgesamt flächiger und gleichmäßiger, in den Kehlen dagegen zuweilen etwas unruhiger.
Die Bogenschnittdeckung
Die Bogenschnittdeckung zählt zu den preisgünstigsten Schiefer-Deckarten überhaupt. Sie basiert auf einem Quadrat mit einer bogenförmig abgerundeten Sichtseite. Mit der Bogenschnittschablone ist die Schieferbranche in den direkten Wettbewerb zu den industriellen Ersatzprodukten, den Faserzementplatten, getreten. Sie ist heute die am häufigsten genutzte Schieferdeckart und wird gelegentlich treffend als der 'VW' des Schieferdaches bezeichnet.
Die Rechteckdoppeldeckung
Die Rechteckdoppeldeckung wird vor allem in Benelux, Frankreich, Spanien, England und auch in den USA ausgeführt. Die Deckung mit rechteckigen Steinen gehört im Europa zu den Klassikern der Baugeschichte. Das rechteckige Format passt zu modernen Bauten. Diese Deckart weist nur wenige schwierige Details auf und lässt sich relativ schnell bis zur handwerklichen Perfektion erlernen. Viele klassische Bauten der Franzosen und Engländer, wie z.B.: der Louvre, Versailles oder der Palast von Westminster sind mit rechteckigen Schiefern eingedeckt. Als entscheidender Vorteil der Rechteckdoppeldeckung gilt hierzulande die schnelle und damit preisgünstige Verlegung.
Die Spezial-Fischschuppendeckung
ist eine Rechteckdoppeldeckung, die in der Sichtfläche einen Segmentschnitt aufweist. Dadurch entsteht die Optik einer Fischschuppe. Coquettes sind Rechtecke mit einer abgerundeten Steinseite, die in der Sichtfläche ein rundes Deckbild ergeben. Octogones sind Rechtecke mit unter 45° gestutzten Ecken, die im Deckbild auf dem Dach einer Bienenwabe ähneln. Die Spezial-Wabendeckung ist ein Quadrat mit einer gestutzte Ecke. Quadratische Decksteine ergeben ein geometrisch strenges Deckbild.
Spitzwinkel-Schablone
Wird das Quadrat auf die Spitze gestellt, entsteht ein rautenförmiges Deckbild. Bereits die Römer kannten die Spitzwinkel-Schablonen. Mit dieser Decksteinform wurden viele Bauten des Limes eingedeckt.
Die Wilde Deckung
ist eine sehr auffällige Deckart, die hierzulande nur wenige Male pro Jahr eingedeckt wird. Der Exot stammt vom Steinlegedach ab und erfordert einen hochqualifizierten Dachdecker. Bei der Eindeckung muss jeder Stein einzeln auf dem Dach von Hand zugerichtet werden. Die Wirkung ist dementsprechend einzigartig: die Fläche wirkt inhomogen, richtungslos und organisch, die übliche, geordnete Wirkung eines 'nicht wilden' Schieferdaches sucht man hier vergebens.
Qualität
Guter Schiefer hält Jahrhunderte. Qualitätsmindernde Bestandteile sind höherprozentige Sand-, Erz- und Kalkeinlagerungen sowie Schwefel- und Kohlenstoffverbindungen. Solche Schiefer bleichen aus, werden weich und spalten durch Frost entlang ihrer Schieferung auf. Drei Punkte gilt es zu beachten: Güteüberwachung, Herkunft und Bewährung. Die Beurteilungskriterien sind dabei: Farbbeständigkeit, Glanz, Struktur und Festigkeit. Ein guter Schiefer bleibt auch nach Jahren blau-grau, seidenmatt glänzend und weist eine feste Struktur auf.
Im Zuge der 'Schiefer-Renaissance' geht dieses natürliche Gestein über seine angestammten Verbreitungsgebiete hinaus auf bundesweite Wanderschaft. Mit dem Ausschwärmen in Schönwetterregionen folgt der Naturstein heute auch neuen stilistischen Ideen. Diesen Trend unterstützt ein noch recht junges Angebot farbiger Schiefer. Neben dem blau-grauen Moselschiefer aus Mayen und solchem aus internationalen Vorkommen ergänzt Schiefer in mehreren natürlichen Grün- und Rottönen die Palette.
Links zu Schiefer:
http://www.schiefer.de
http://www.brauchtumsseiten.de/regional/eifel/eifeler-handwerk/handwerk/handwerk.pdf
http://dlib-pr.mpier.mpg.de/m/kleioc/0010/exec/books/%22301744%22
Links zu Tiroler
http://www.sichtbar-evangelisch.at/template1.php/x/catnr/53/navart/nav/catid/88/artid/368/index.htm
http://kd277.www.cable24.at/stageLive/index.php?PageId=1016&CurrentId=3&LangId=1
http://books.google.de/books?id=I3JrKtUlhrwC&pg=PT303&lpg=PT303&dq=auswanderung+aus+tirol+im+17.+jahrhundert&source=bl&ots=wHUtetlnOV&sig=rUE3uKz1VC3glA4MC-CpCxKgPl0&hl=de&ei=N-baSpmoNJOsmAOCx43oDA&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=7&ved=0CBYQ6AEwBjgK#v=onepage&q=auswanderung%20aus%20tirol%20im%2017.%20jahrhundert&f=false